Eine Ladesäule zu kaufen ist eine Ausgabe. Sie zu amortisieren ist eine Rechnung. Zu viele Geschäftsleitungen entscheiden nach dem Gerätepreis und übersehen die drei Variablen, die den ROI einer Unternehmens-Ladesäule wirklich bestimmen: den Kilowattstunden-Preis über die Jahre, die Förderungen, die die Anfangsinvestition drücken, und die tatsächliche Nutzung des Fuhrparks. Dieser Leitfaden rechnet die Zahlen für ein KMU auseinander, das seinen Standort ausstattet: Installationskosten, Ersparnis gegenüber dem öffentlichen Netz, Steuern und Amortisationsdauer — bis hin zu einem vollständigen Beispiel.
- Installationskosten komplett (Gerät + IRVE-zertifizierte Montage + Anschluss): 3.000–4.500 € netto pro AC-Punkt.
- Förderungen, die die Investition senken: Steuerkredit von 75 % bis 31. Dezember 2025, ADVENIR-Prämie, MwSt.-Satz von 5,5 %.
- Ersparnis pro kWh: ca. 0,19 € am Firmenstandort gegenüber 0,35–0,60 € öffentlich, bis zu 0,79 € an Ultraschnellladern.
- Fahrleistung: Je mehr kWh der Fuhrpark verbraucht, desto größer wird der Unterschied als Ertrag.
Total Cost of Ownership: was der reine Gerätepreis verschweigt
Eine 22-kW-Wallbox kostet als reines Gerät 700 bis 2.000 € netto[1]. Diese Zahl sagt nichts aus, solange sie nicht montiert ist. Ist die Anlage durch einen IRVE-zertifizierten Elektriker errichtet (in Frankreich oberhalb von 3,7 kW Pflicht), an den Verteilerkasten angeschlossen und mit OCPP-Konnektivität sowie Lastmanagement ausgestattet, landet man im Unternehmensumfeld eher bei 3.000 bis 4.500 € netto pro Ladepunkt[2]. Die Positionen im Angebot erklären sich aus dem möglichen Zähler-Upgrade, der Kabelverlegung und — bei Standsäulen — dem Betonfundament.
Über den Capex hinaus gehört der Opex ins Budget: der eigene Stromtarif, die Softwarekosten (Lizenz oder Betreiberabonnement beim CPO), die Wartung. Auf zehn Jahre — die typische Abschreibungsdauer einer Ladeinfrastruktur[3] — schlagen diese wiederkehrenden Posten weit stärker zu Buche als der Kaufpreis. Die Kriterien der Ladesäulenwahl bestimmen also direkt die spätere Rentabilität, nicht nur die Rechnung an der Kasse.
Privater kWh gegen öffentlichen kWh: die Lücke, die die Anlage finanziert
Hier kippt die Rechnung. Eine Kilowattstunde aus einer Unternehmens-Ladesäule kostet rund 0,19 € inkl. MwSt., angelehnt an den regulierten Stromtarif (Tarif Bleu, ca. 0,194 € im Basistarif Anfang 2026)[4]. Im öffentlichen Netz kostet dieselbe kWh 0,35 bis 0,60 € an einem AC-Straßenlader und steigt auf 0,59–0,79 € an den Ultraschnellladern der Autobahn bei Ionity oder Fastned[5].
Die Lücke pro kWh liegt je nach Vergleichsnetz also zwischen 0,16 € und 0,60 €. Für eine Limousine mit 18 kWh/100 km bedeutet Laden im Depot statt an der Ultraschnellsäule eine Ersparnis von 3 bis 10 € auf 100 km. Bei 20.000 km pro Jahr und Fahrzeug summiert sich das schnell auf mehrere Tausend Euro. Dieser Jahr für Jahr wiederkehrende Ersparnisstrom ist es, der einen Capex in eine rentable Investition verwandelt. Der Vergleich der Ladekosten nach Ladeleistung arbeitet den Sprung zwischen den Technologien im Detail auf.
| Ladeort | Preis pro kWh | Kosten 100 km (~18 kWh) | Bei 20.000 km/Jahr |
|---|---|---|---|
| Unternehmens-Ladesäule (privat) | ~0,19 € | 3,42 € | 684 € |
| Öffentlicher AC-Lader (22 kW) | 0,40 € | 7,20 € | 1.440 € |
| Autobahn-Ultraschnelllader (DC) | 0,69 € | 12,42 € | 2.484 € |
Laden an einer privaten Säule kostet zwei- bis viermal weniger als im öffentlichen Netz. Bei einem Fuhrpark von zehn Fahrzeugen mit je 20.000 km/Jahr erreicht die Lücke 7.600 bis 18.000 € pro Jahr — mehr als genug, um die Installation reichlich zu amortisieren.
Förderungen, die die Anfangsinvestition drücken
Drei Instrumente lassen sich kumulieren und können die Installationskosten unter 2.000 € netto pro Ladepunkt drücken. Erstens der Steuerkredit von 75 % auf Anschaffung und Montage, gedeckelt auf 500 € pro Ladesäule, für Zahlungen bis zum 31. Dezember 2025[6]. Für 2026 nicht verlängert, belohnt er die Installationen, die vor der Frist abgeschlossen werden.
Zweiter Hebel: die ADVENIR-Prämie, verlängert bis 2027. Für einen privaten Parkplatz, der Fuhrpark und Mitarbeitende dient, deckt sie 20 % der Netto-Kosten, gedeckelt auf 600 € pro Ladepunkt[7]. Für Nutzfahrzeuge steigen die Sätze auf 50 % (2.200 €). Dritter Hebel, der steuerliche: Der reduzierte MwSt.-Satz von 5,5 % gilt für Lieferung, Installation und Wartung der Ladeinfrastruktur, statt der üblichen 20 %[8]. Dem Installateur ist eine Berechtigungsbescheinigung vorzulegen.
Schließen Sie das Angebot vor Ende 2025 ab, um den Steuerkredit zu sichern. Das Instrument wird 2026 nicht verlängert: Eine Ladesäule, die im Januar 2026 abgerechnet und bezahlt wird, qualifiziert sich nicht mehr. Die ADVENIR-Prämie und der MwSt.-Satz von 5,5 % bleiben dagegen aktiv.
Amortisationsdauer: 5 bis 10 Jahre je nach Nutzung
Bilanziell wird eine Ladeinfrastruktur je nach Unternehmenspolitik über 5 bis 10 Jahre abgeschrieben[3]. In der Praxis verkürzt sich die Kapitalrückzahlung massiv, sobald der Fuhrpark rollt. Eine schlecht genutzte Säule amortisiert sich langsam. Eine Säule, die jede Nacht zwei Fahrzeuge im Wechsel lädt, erreicht ihren Break-even in zwei bis vier Jahren — nach Abzug der Förderungen auch schneller.
Die Kurve unten zeigt, wie Förderungen und Volumen auf die Rentabilität wirken. Ohne Förderung und mit nur einem Fahrzeug liegt die Amortisation über fünf Jahren. Kumuliert man die Förderungen und lässt die Säule auf Volllast laufen, sinkt sie unter zwei Jahre.
Rechenbeispiel: zehn Fahrzeuge, ein Depot, acht Jahre
Nehmen wir ein Delivery-KMU, das sein Depot mit fünf 22-kW-Wallboxen für zehn Elektrofahrzeuge ausstattet (Rotation am Mittag). Investition: 5 × 3.800 € netto = 19.000 €. Anrechenbare Förderungen: Steuerkredit 5 × 500 € = 2.500 €, ADVENIR-Prämie 5 × 600 € = 3.000 €, also verbleiben 13.500 € netto. Hinzu kommt die Nutzungsersparnis: zehn Fahrzeuge × 20.000 km × 18 kWh/100 km = 36.000 kWh pro Jahr.
Im Depot zu 0,19 € geladen, kosten diese kWh 6.840 € pro Jahr. Im öffentlichen AC-Netz (0,40 €) stiege die Rechnung auf 14.400 € — eine Jahresersparnis von 7.560 €. Der ROI der Ladesäule fällt damit unter zwei Jahre (13.500 / 7.560 ≈ 1,8 Jahre). Über acht Jahre spart das Unternehmen mehr als 60.000 € — ohne die abziehbare MwSt. auf den verbrauchten Strom und ohne den operativen Vorteil eines Fuhrparks, der über eine zentralisierte Fuhrparkmanagement-Plattform gesteuert wird.
Der ROI entscheidet sich nicht am Preis der Säule, sondern an der kWh-Preisdifferenz multipliziert mit der Fahrleistung. Eine Säule auf Volllast amortisiert sich in unter zwei Jahren. Eine Säule, die schläft, amortisiert sich nie.
Die Steuerbehandlung des elektrischen Treibstoffs nicht vergessen
Der Ladestrom eröffnet einen weiteren Vorteil: Die darauf lastende MwSt. ist für ein betrieblich genutztes, 100-prozentig elektrisches Fahrzeug voll abziehbar — anders als die MwSt. auf einen Pkw. Für einen entsprechend gewidmeten Firmenwagen erreicht der Abzug auf den Stromanteil 100 %[8]. Das Unternehmen holt sich also einen Teil der kWh-Kosten zusätzlich zur Tarifersparnis zurück — ein Doppelleffekt, den Angebote selten ausweisen.
Dieser buchhalterische Punkt rundet das wirtschaftliche Argument eines stimmigen Fuhrpark-Übergangs ab. Wer zugleich auf dem verbleibenden thermischen Park die TICPE-Erstattung optimieren will, wird die elektrische Aufladung als modernes Pendant einer globalen Kraftstoffkostenstrategie einordnen.
Häufige Fragen
Wie berechnet man den ROI einer Unternehmens-Ladesäule?
Man setzt die nette Investition nach Förderungen (Gerät + Montage, minus Steuerkredit und ADVENIR-Prämie) ins Verhältnis zur jährlichen kWh-Ersparnis (Lücke zwischen Privatpreis ~0,19 € und Öffentlich-Preis 0,35–0,60 €, multipliziert mit dem Verbrauchsvolumen). Bei voll ausgelasteter Säule sinkt die Amortisation unter zwei Jahre[4].
Wie lange ist die Abschreibungsdauer einer Ladesäule?
Bilanziell 5 bis 10 Jahre, je nach Unternehmenspolitik[3]. Cash-seitig liegt der Break-even nach Förderungen oft zwischen 2 und 4 Jahren — sofern die Säule vom Fuhrpark tatsächlich genutzt wird.
Gilt der Steuerkredit über 500 € noch im Jahr 2026?
Nein. Der Steuerkredit von 75 % (gedeckelt auf 500 € pro Säule) deckt Ausgaben, die bis zum 31. Dezember 2025 getätigt und bezahlt wurden; 2026 wird er nicht verlängert[6]. Die ADVENIR-Prämie und der MwSt.-Satz von 5,5 % bleiben aktiv.
Was kostet eine geladene kWh im Unternehmen?
Etwa 0,19 € inkl. MwSt. an einer privaten Säule, im Einklang mit dem regulierten Stromtarif[4]. Das ist zwei- bis viermal günstiger als ein öffentlicher AC-Lader (0,35–0,60 €) und bis zu viermal günstiger als eine Autobahn-Ultraschnellsäule (0,59–0,79 €)[5].
Ist die MwSt. auf die Installation einer Ladesäule abziehbar?
Ja. Montage und Installation profitieren mit Berechtigungsbescheinigung vom reduzierten MwSt.-Satz von 5,5 % statt der üblichen 20 %[8]. Die MwSt. auf den verbrauchten Strom ist für ein betrieblich genutztes, 100-prozentig elektrisches Fahrzeug zusätzlich abziehbar.
Gilt die ADVENIR-Prämie für Firmenparkplätze?
Ja. Für einen privaten Parkplatz, der Fuhrpark und Mitarbeitenden dient, deckt sie 20 % der Netto-Kosten, gedeckelt auf 600 € pro Ladepunkt — bei Nutzfahrzeug-Flotten bis zu 2.200 €[7]. Das Programm läuft bis 2027.
Dachartikel: Dieser Leitfaden ist Teil unseres Whitepapers zur Unternehmensmobilität.
Referenzen
- GreenSpot, Preis einer AC-Ladesäule von 7,4 bis 22 kW: reines Gerät (700 bis 2.000 € netto). greenspot.fr. ↩
- Beev, Installation von Ladesäulen im Unternehmen 2025: 3.000 bis 4.500 € netto pro Komplettpaket. beev.co. ↩
- Greenspot / Idex, Abschreibungsdauer einer Ladeinfrastruktur: 5 bis 10 Jahre je nach Bilanzpolitik. greenspot.fr. ↩
- Fournisseurs-Électricité / Selectra, Regulierter Stromtarif (Tarif Bleu): ca. 0,194 €/kWh im Basistarif Anfang 2026. fournisseurs-electricite.com. ↩
- Chargemap / Numerama, Tarife öffentlicher IRVE-Ladesäulen: AC 0,35–0,60 €/kWh, Autobahn-Ultraschnellladen 0,59–0,79 € (Ionity, Fastned). chargemap.com. ↩
- Service-Public.gouv.fr, Steuerkredit für die Installation einer Ladesäule: 75 % der Ausgaben, gedeckelt auf 500 € pro System, Ausgaben bis 31. Dezember 2025. service-public.gouv.fr. ↩
- ADVENIR, Förderprogramm für Ladesäulen, Fuhrparks und Mitarbeitende: 20 % / 600 € netto pro Ladepunkt, verlängert bis 2027. advenir.mobi. ↩
- La Revue Fiduciaire / IZI by EDF, Reduzierte MwSt. von 5,5 % auf Lieferung, Installation und Wartung von Ladeinfrastrukturen. Abziehbare MwSt. auf Strom (betrieblich genutztes, 100-prozentig elektrisches Fahrzeug). izi-by-edf.fr. ↩